Nicht abknicken! Wie Wein- und Obstbau nach dem Frost weitermachen können

03.05.2017
Von: Jens Kreutzfeldt

Der späte Frost im April hat Wein- und Obstbaubetriebe in Baden besonders hart getroffen. Auch wenn es schwerfällt: Winzer und Obstbauern sollten jetzt der Natur eine Chance geben und keinesfalls mit dem Ausbrechen der erfrorenen Triebe beginnen.


Sich nicht auf Eis legen lassen und so normal wie irgend möglich weitermachen, lautet jetzt die Devise (Foto: Thinkstock. Zum Vergrößern ins Bild klicken)

Sich nicht auf Eis legen lassen und so normal wie irgend möglich weitermachen, lautet jetzt die Devise (Foto: Thinkstock. Zum Vergrößern ins Bild klicken)

„Nicht abknicken“, lautet derzeit notgedrungen die Devise von Katja Pfeifer, und die ist durchaus wörtlich zu nehmen. „Natürlich ist die Versuchung für jeden Winzer und Obstbauern jetzt groß, die erfrorenen Triebe einfach zu entfernen“, sagt die Sonderkulturexpertin von der ZG Raiffeisen.

Immerhin ist die Situation für manche Betriebe durchaus existenzbedrohend. Vor allem im Obstbau gab es schon ein Jahr zuvor, Ende April 2016, Frostschäden, wenn auch nicht in diesem Ausmaß. Nach ersten Schätzungen des Landwirtschaftsministeriums in Stuttgart sind jeweils rund 6.000 bis 7.000 Hektar Wein- und Obstbaufläche stark oder komplett frostgeschädigt, der Gesamtschaden ist noch nicht absehbar.

Erforene Triebe auszubrechen wäre jetzt das Falsche  

„Der Anblick tut jedem Winzer in der Seele weh. Dennoch sollte man vermeintlich erforene Haupttriebe jetzt keinesfalls ausbrechen“, erklärt Katja Pfeifer. „Die Gefahr ist einfach zu groß, auch die Beiaugen zu schädigen.“ Diese Nebentriebe der Rebpflanzen treiben normalerweise nicht aus oder sind kleiner und schwächer als die Haupttriebe, von denen viele nun im Frost vom 19. und 20. April 2017 erfroren sind.

Doch derzeit ruhen viele Hoffnungen auf ihnen. Denn wie alle Organismen reagieren Weinreben auf Stresssituationen mit dem Ausstoß von Hormonen, und diese stimulieren das Wachstum der Beiaugen. Erfrorene Haupttriebe würden dagegen irgendwann von selbst abfallen, brauchten also nicht extra entfernt zu werden.

Alle Hoffnungen ruhen auf den Beiaugen

Jetzt braucht es etwas Geduld – mindestens ein bis zwei Wochen, schätzt Pfeifer –, und das Wetter muss natürlich mitspielen. Wärmere Temperaturen sind für Anfang Mai vorhergesagt. Da Frostschäden in diesem Ausmaß beispiellos sind, gibt es bisher allerdings nur wenig Erfahrungen mit Beiaugen-Blüten unter solch extremen Bedingungen. Das Beste, was Winzer und Obstbauern derzeit machen könnten, sei einfach möglichst „normal“ weiterzuarbeiten und ihre Reben wie gewohnt zu pflegen, sagt Katja Pfeifer. „Und sei es nur, um dafür zu sorgen, dass der Aufwuchs im nächsten Jahr normal kommen kann.“

Auch der Weinbau-Großversuch der ZG Raiffeisen auf dem Aspichhof bei Ottersweier ist betroffen, wie sehr, ist derzeit noch nicht absehbar. Doch Katja Pfeifer ist entschlossen, das Beste daraus zu machen. Nicht abknicken, halt.

Wenn Sie Fragen zu Frostschäden oder deren Folgen haben, ist Ihre nächste ZG Raiffeisen Agrar-Niederlassung für Sie da.

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