Rinderforum 2018: Glück kann man nicht bestellen, aber planen

19.12.2018
Von: Jens Kreutzfeldt

Kann man seinem betrieblichen Glück als Landwirt auch auf die Sprünge helfen? Rund 240 Fachbesucher kamen in diesem Jahr zu den traditionellen Rinderforen des RKW Kehl, um sich über das Thema Management in der Milchviehhaltung auszutauschen.


Keineswegs nur Glückssache: Das Rinderforum in Donaueschingen (Foto: RKW Kehl)

Keineswegs nur Glückssache: Das Rinderforum in Donaueschingen (Foto: RKW Kehl)

Wirtschaftlicher Erfolg ist selten Glückssache allein, sondern beruht in erster Linie auf dem beruflichen Können und auf der Tüchtigkeit des Einzelnen. Doch dass es dabei mindestens ebenso wichtig ist, den Faktor Glück und auch die Freude an der Arbeit nicht zu vernachlässigen, zeigten die Vorträge beim diesjährigen Rinderforum am 28. November in Donaueschingen sowie am 12. Dezember in Mosbach.

Den vollständigen Bericht vom Rinderforum 2018 lesen Sie auf unseren Fachinformations-Seiten


„Wer nicht weiß, wo er hinwill, der darf sich auch nicht wundern, wenn er woanders ankommt“ – mit diesem Zitat von Mark Twain brachte Stefan Mühlenstädt vom RKW Kehl in seiner Einführung zum Thema die Quintessenz jeder Management-Strategie auf den Punkt.

Im operativen Tagesgeschäft bleibt oft wenig Zeit, sich über die Betriebsentwicklung Gedanken zu machen. Je klarer die einzelnen Bereiche und die damit verbundenen Ziele in einem Betrieb definiert sind, desto leichter wird es für den Landwirt, solche Entscheidungen zu treffen und seine betrieblichen Ziele konsequent weiter zu verfolgen.

Die Hunderttausend-Liter-Kuh

Somit sollte der Managementzyklus bei landwirtschaftlichen Betrieben vor allem ein Problemlösungszyklus sein, der auf dem Boden der Praxis steht und auf Tatsachen aufbaut. Mit den richtigen Management-Parametern muss auch die „Hundertausend-Liter-Kuh“ keine Zukunftsfantasie bleiben, wie Markus Rombach vom RKW Kehl in seinem Rinderforum-Debut erläuterte. Hier bilden die Lebensabschnitte der Tiere jeweils ganz eigene Managementzyklen, für die unterschiedliche Schwerpunkte und Ziele gesetzt werden sollten.

Raus aus der Arbeitsfalle Landwirtschaft

Solche Management-Instrumente produzieren allerdings häufig auch eine Menge Daten, bei denen vor allem kleinere Betriebe schnell den Überblick verlieren können. Daher ist bei allem beruflichen Ehrgeiz auch immer die notwendige Distanz zu Geschäftsinhalten und Kennzahlen wichtig, wie Professor Dr. Matthias Schick vom Strickhof im schweizerischen Lindau in seinem Vortrag zum Thema „Arbeitsfalle Landwirtschaftsbetrieb“ zeigte. Dafür müsse man auch lernen, mal „Nein“ sagen zu können, denn am wichtigsten bleibe es, das Gleichgewicht zwischen Betrieb und Familie zu wahren.

Wer ist glücklicher: Mensch oder Tier?

Nahezu vorbildlich verwirklicht hat dieses Prinzip der Hof der Familien Binkert und Wagner in Albbruck-Birndorf, den Barbara Winkler vorstellte. Sie bewirtschaften den DLG-Spitzenbetrieb mit 230 Milchkühen gemeinsam im Rahmen einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Somit bleibt genug Raum für familiäre Bedürfnisse, weil immer jemand da ist, der auch mal einspringen kann.

Das eigentliche Betriebsgeheimnis jedoch besteht darin, die Bedürfnisse von Landwirt und Kuh möglichst miteinander in Einklang zu bringen. „Das beste Management für einen Milchviehbetrieb ist, wenn sich diese Bedürfnisse weitestgehend überschneiden“, meinte Winkler.

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