Das Multikopter-Projekt 2013: Flügel für den Maiszünsler

Flügel für den Maiszünsler

Mit dem Multikopter bekommen die badischen Landwirte Luftunterstützung bei der biologische Kontrolle des Maiszünslers, jenem Schädling, der den Maisbauern die meisten Sorgen bereitet. Der ferngesteuerte Kleinsthubschrauber kann Schlupfwespenlarven aus der Luft gezielt absetzen, einen natürlichen Fressfeind des Schädlings. Der Prototyp wird derzeit von bei der ZG Raiffeisen in Südbaden getestet.

In rund zehn Metern Höhe schwirrt der Multikopter über die Maisstauden, getragen von seinen sechs Rotoren, denen er seinen Namen verdankt. Alle sieben Meter wirft der GPS-gesteuerte Kleinsthubschrauber aus seinem Bauch eine kleine Kapsel mit 1.000 Eiern der Trichogramma-Schlupfwespe über den Maispflanzen ab. Ihre Larven ernähren sich von den Eiern des Maiszünslers, der sich in den letzten 30 Jahren in ganz Deutschland verbreitet hat und sich seitdem munter durch die Maisbestände der Republik frisst.

Der Schädling nagt sich von innen durch den Stengel der Maisstaude. Zurück bleibt eine geschwächte Pflanze, die deutlich weniger Ertrag bringt. Da die Larven des Maiszünslers auch sehr gerne an den Maiskörnern fressen, sind die Körner in der Folge anfällig für Schimmel- und Fusarienpilze. Einmal befallen, kann das Erntegut dann nicht mehr für Lebens- oder Futtermittel verwendet werden. Landwirt und Verbraucher gehen leer aus.

Biologischer Pflanzenschutz aus der Luft

„Wir wollen biologische Pflanzenschutzverfahren weiterentwickeln“, sagt Dr. Hubert Sprich, Produktionsberater und Maisexperte der ZG Raiffeisen eG in Karlsruhe. Gegen den Maiszünsler gibt es derzeit außer Trichogramma nur zwei zugelassene Insektizide und natürlich die mechanische Zerstörung der Zünslerlarven nach der Maisernte, durch das Schlegeln der Maisstängel.

„Wir glauben an biologische Lösungen, wo immer es geht“, bekräftigt Sprich. „Resistenzen gibt es weiß Gott schon genug.“ Anders, als die mitunter recht martialisch klingende Berichterstattung in den Medien über den Prototyp suggeriert (von „Maisdrohne“, „Luftangriffen“ oder gar vom „Schlupfwespenbomber“ war die Rede), handelt es sich um ein durch und durch ziviles Fluggerät, das mit seinen militärischen Pendants nur gemeinsam hat, dass es fliegt. Es soll gerade nicht gegen, sondern für Mensch und Tier eingesetzt werden.

Per GPS oder von Hand gesteuert

Sprich hat das Konzept in der Schweiz kennengelernt und war sofort begeistert. Dort ist das Verfahren bereits im zweiten Jahr in der Erprobung. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend. Entwickelt wurde der Multikopter von Nicole und Walter Berger an der Fachhochschule Bern in Zusammenarbeit mit der schweizerischen Genossenschaft fenaco/UFA-Saamen. Inzwischen testet die ZG Raiffeisen den Prototypen aus der Schweiz exklusiv auch für den Einsatz in Baden. Auf 20 Hektar Mais wurde das Gerät bereits in einem Versuch in der Nähe von Merdingen südlich von Freiburg in diesem Sommer getestet.

Ganze vier Minuten braucht der Multikopter für einen Hektar Mais. Von Hand dauert es fünfmal so lange. Fünf bis sechs Hektar schafft das Gerät mit einer Akkuladung, dann muss es zurück an die Box. Mit Hilfe von Luftbildern kann der Multikopter per Global Positioning System (GPS) auf eine vordefinierte Flugroute programmiert werden, für einen präzisen Abwurf der Trichogramma-Nützlinge. Die manuelle Fernsteuerung des Fluggerätes kommt nur zum Einsatz, wenn sie gebraucht wird. 

Der Aufwand ist viel geringer

„Wir sind überzeugt, dass das Konzept für Landwirte in Maislagen interessant ist“, meint Sprich. Das Verfahren sei effizient, sparsam und auch noch bodenschonend, weil die Schlupfwespe nicht mehr am Boden ausgebracht werden muss und keine Fahrzeuge oder Personen mehr das Maisfeld durchqueren müssen. „Bisher brauche ich einen Hochrad-Traktor, um die Trichogramma-Schlupfwespen auf dem Maisfeld auszubringen, weil kein anderes Fahrzeug durch die Felder mit den über zwei Meter hohen Maisstauden kommt. Von diesen teuren Spezialgeräten gibt es nur sehr wenige, außerdem ist der Einsatz in Gebieten mit Hanglagen nicht ungefährlich und daher oft kaum möglich. Oder ich muss Saisonarbeitskräfte einsetzen. In beiden Fällen sind der Nachteil die Zeit und die Kosten – es dauert alles viel länger als aus der Luft.“

Außerdem sei für viele Landwirte eines der größten Probleme nicht nur der Zeitaufwand, sondern auch der Zeitpunkt: Ausgerechnet während der Getreideernte müsse man sich um den Maiszünsler kümmern, wenn man bei der Maisernte im Herbst keine böse Überraschung erleben wolle. In der Saison kostet das den Landwirt wertvolle Zeit. 

Dienstleistung aus der Luft

Wenn das Verfahren in der Praxis funktioniert und die Kosten stimmen, plant die ZG Raiffeisen daher den Multikopter-Einsatz im kommenden Jahr als Serviceleistung anzubieten. Derzeit wird mit Kosten von etwa 25 Euro pro Hektar kalkuliert. Noch sind einige rechtliche Fragen bezüglich der Fluggenehmigung und der maximalen Flughöhe zu klären. Doch die Signale von den zuständigen Regierungspräsidien sind positiv. Auch hier sieht man die positive Wirkung der biologischen Schädlingsbekämpfung.

Der Luftikus im Einsatz
 
 
 
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