Ackerbaumessen 2015

Dr. Holger Flaig zeigte anhand vieler beunruhigender Daten, dass wir den Klimawandel bereits jetzt live erleben. Zum Vergrößern ins Bild klicken (Foto: ZG Raiffeisen)

Ackerbaumessen 2015: "2080 wird das ein normaler Sommer sein"

Im November und Dezember hatte die ZG Raiffeisen erneut zu ihren traditionellen Ackerbaumessen nach Appenweier, Bruchsal und Freiburg-Tiengen geladen, um Bilanz der vergangenen Saison zu ziehen. Nach der Hitzewelle mit den Rekordtemperaturen im Sommer 2015 standen vor allem das Thema Wetter und Klimawandel im Mittelpunkt. Während zur gleichen Zeit in Paris um ein neues Klimaabkommen gerungen wird, lautete die erschreckende Aussicht: Ende des Jahrhunderts werden Rekordsommer wie 2003 normal sein.

Wie immer berichteten externe Referenten und die Fachberater aus den Vertriebsregionen über die Erfahrungen und Ergebnisse der vergangenen Saison, unter anderem zu den aktuellen Sortenversuchen, zum Thema Pflanzenschutz und Düngemittelmarkt.

Zu den spektakulärsten Trends in der Branche gehört derzeit sicherlich der Einsatz von Agrarrobotern bei der Unkrautkontrolle und im Pflanzenschutz. Die ZG Raiffeisen kann hier mit der Maisdrohne Multikopter punkten, die 2015 erstmals flächendeckend im Südwesten biologischen Pflanzenschutz gegen den Maiszünsler ausbrachte.

Sehr gut kam bei den Teilnehmern erneut an, dass die Veranstaltung dank fachkundiger Referenten vom Landratsamt auch in diesem Jahr wieder für den Sachkundenachweis im Bereich Pflanzenschutz angerechnet werden konnte.

Alle Fotos von der Ackerbaumesse finden Sie weiter unten auf der Seite


Doch das Hauptaugenmerk lag vor allem auf einem Thema: Nach der Hitzewelle und den Rekordtemperaturen im Sommer 2015 fragen sich viele besorgte Landwirte, auf welche klimatischen Perspektiven sie sich künftig einstellen müssen. Entsprechend großes Interesse fand der Vortrag von Dr. Holger Flaig vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum (LTZ) Augustenberg in Karlsruhe über die Folgen des Klimawandels für die Landwirtschaft. Als Referent für Agrarökonomie hat er dort für seine Forschung Daten zur Entwicklung von Klima und Erträgen in Baden-Württemberg von 1951 bis 2015 ausgewertet.

Die ungünstigsten Klimaprognosen sind bereits Realität

Die Ergebnisse sind alles andere als beruhigend, denn viele metereologische Parameter verändern sich merklich. Die Temparaturen steigen weltweit an und mit ihnen die Treibhausgase (vor allem die CO2-Konzentration), die Unberechenbarkeit und extreme Wetterereignisse wie Hagel, Starkregen, Hitze und Trockenheit nehmen zu. Das Jahr beginnt früher, die Vegetationsperiode wird länger. Der Niederschlag steigt zwar insgesamt übers Jahr gesehen an, doch verlagert er sich ausgerechnet in die kalte Jahreszeit, weg von den Sommermonaten, wenn er am dringensten gebraucht wird.

Während die internationale Politik in Paris über ein neues Klimabkommen verhandele, bewege sich die aktuelle Entwicklung bereits jetzt am oberen Rand der ungünstigsten Prognosen des Weltklimarates der Vereinten Nationen (IPCC). Wenn sich nichts ändert, würden die Temperaturen bis zum Jahr 2100 weltweit mindestens um 3-4 Grad Celsius ansteigen. In Paris rede man derzeit  darüber, wie man die Erderwärmung bei unter 2 Grad halten kann.

Ein Vorgeschmack auf den Klimawandel

Konkret bedeutet das: Die Anzahl der Tropentage mit Temperaturen über 30 Grad Celsius wird sich schon im Jahr 2050 verdoppelt haben. Als Referenzbeispiel kam Flaig immer wieder auf den Rekordsommer von 2003 zurück, der von der Münchener Rückversicherung als schlimmste Naturkatastrophe der letzten 100 Jahre eingestuft worden ist. Weltweit seien mindestens 70.000 Todesfälle direkt oder indirekt auf dieses Ereignis zurückzuführen. Die Werte waren 2003 in der Tat dramatisch: 5 bis 6 Grad höhere Temperaturen im Mittel, 40 bis 50 heiße Tage im Jahr mit Werten über 30 Grad am oberen Rheingraben, 10 bis 20 Prozent weniger Niederschlag.

„Diese Temperatursteigerung von 2003 ist quasi ein Fenster in die Zukunft, denn dies wird im Jahr 2080 ein durchaus normaler Sommer sein, wenn unsere Berechnungen zutreffen“, sagte Flaig. Er betonte dabei, dass alle genannten Daten Durchschnittswerte seien, die regional auch noch extremer ausfallen können.

Hitze allein ohne Niederschlag nützt nicht viel

Allerdings müsse man berücksichtigen, dass die Werte von 2003 auf den Sorten basierten, die damals angebaut wurden. Natürlich würden auch die Sorten ständig weiterentwickelt. 2003 seien die Erträge im Durchschnitt mit rund 15 Prozent jedenfalls stärker gesunken als im Fünfjahresmittel davor.

2015 habe man wieder gesehen, dass der Hitzevorteil auch für wärmeliebdende Kulturen wie den Mais Grenzen haben kann, sagte Flaig. Die Wärme und das CO2 begünstigten zwar die Photosynthese, womit der Ertrag steige, doch zugleich sinke der Stickstoff- und Proteingehalt, womit wiederum die Qualität leide. Kritisch werde es immer dann, wenn hohe Temperaturen und Trockenheit mit den empfindlichen Phasen des Pflanzenwachstums zusammenfielen, also vor allem in der Blüte. Die Kornfüllungsphase könne dann deutlich verkürzt ausfallen.

Konkurrenzverschiebung hin zu wärmeliebenden Kulturen

Für die zweite Hälfte des Jahrhunderts sei insgesamt mit einer Konkurrenzverschiebung hin zu eher wärmeliebende Kulturen wie Mais, Soja und Hirse zu rechnen. Getreide und Raps hätten dann eher das Nachsehen. Allerdings sei keineswegs sicher, dass dies auch in der Praxis funktionieren würde. Dies zeige ausgerechnet der Mais. Bei allen Kulturen seien die Erträge seit 1951 stetig gestiegen – nur beim Mais stagnierten sie auf dem Ertragsniveau der 1980er Jahre. Das habe auch ihn ins Grübeln gebracht, meinte der Referent.

„Man sollte eigentlich meinen, dass sich eine subtropische Pflanze wie der Mais hier besonders wohlfühlen würde“, sagte Dr. Flaig. „Doch der Mais benötigt das Wasser, um sein Ertragspotenzial zu entfalten. Wenn er das nicht bekommt, nützt die ganze Hitze wenig.“ Nach 17 Tagen mit Temparaturen über 28 Grad beginne beim Mais die Ertragsdepression. Dies sei auch 2003 der kritische Punkt gewesen: Damals habe es in ganz Deutschland dramatisch an Wasser gefehlt.

Was kann man tun?

Dennoch berge der Klimawandel nicht nur Risiken, sondern auch Chancen, etwa für den Anbau neuer, südländischer Gemüsesorten. Und auch den Gefahren stehe der Mensch keineswegs nur hilflos gegenüber. Neben dem allgemeinen Klimaverhalten als Verbraucher können die Landwirte ihr Anbaurisiko durch eine entsprechende Fruchtfolge, den Anbau verschiedener Sorten und ein effektives Resistenzmanagement bei Schädlingen mindern. Wer allerdings bei der Sortenwahl nur auf die Ertragsstärke blicke, werde nicht weit kommen.

Mit geeigneter Bewässerung, Düngung und Pflanzenschutz könnten die Anpassungsreaktionen der Kuturen auf die klimatischen Bedingungen schrittweise verbessert werden. Die Herausforderung bestehe vor allem darin, dafür die richtigen Diagnose- und Monitoring-Instrumente zu finden. Es gilt also, intelligente Lösungen zu finden.

Vermarktungsaussichten

Entsprechend nüchtern fielen die Prognosen zu den Vermarktungsaussichten für die Ernte 2015 aus. Vor allem für den Mais war es ein schwieriges Jahr im Südwesten, wo die Ernte mancherorts regelrecht auf dem Feld vertrocknet ist, während in anderen Anbauregionen gute Erträge eingefahren wurden. Weltweit sind die wichtigsten Agrarprodukte Mais, Soja und Weizen jedenfalls reichlich vorhanden, die Preise bleiben damit weiter unter Druck.

Zur Sicherung des Betriebserfolges im kommenden Jahr empfiehlt die ZG Raiffeisen daher allen Erzeugern, bereits jetzt über eine Absicherung von bis zu 50 Prozent einer normalen Ernte nachzudenken.

Impressionen von den Ackerbaumessen 2015
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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