Maismessen 2012

Maismessen 2012: Milliarden, Dollar, Käfer

Im November traf sich die Branche erneut zu den traditionellen Maismessen der ZG Raiffeisen in Appenweier, Bruchsal und Freiburg-Tiengen. 2012 war das zweite gute Jahr in Folge für die badischen Maisbauern. Doch Herausforderungen warten genug. Insbesondere die Entwicklung der agrarpolitischen Rahmenbedingungen bleibt ungewiss.

2012 war das zweite gute Jahr in Folge für die badischen Maisbauern. Dr. Hubert Sprich, Produktionsmanager beim Geschäftsbereich Pflanzliche Produktion, wagte auf den Maismessen einen Rückblick, verbunden mit einem Ausblick auf die Trends bei der Produktionstechnik in der kommenden Saison. Im vergangenen Jahr ist die Maisanbaufläche erneut gestiegen, womit sich der Trend der vergangenen Jahre fortsetzte. In ganz Deutschland stieg die Maisanbaufläche um 2 Prozent auf rund 2,6 Millionen Hektar, in Baden-Württemberg sogar um 7,2 Prozent.

Hierfür nannte Sprich vor allem zwei Gründe: Zum einen wurden zusätzliche Flächen für die Biogaserzeugung bewirtschaftet. Zum anderen sind vor allen in Nordbaden die erheblichen Auswinterungsschäden und die daraus resultierende Neuaussaat von Mais im Frühjahr verantwortlich für den überdurchschnittlichen Zuwachs. Die wachsende Beliebtheit des Maises sei aber sicherlich nicht nur auf diese beiden Saisoneffekte zurückzuführen. Vielmehr seien es die hohen und stabilen Erzeugerpreise in Kombination mit den Erntemengen der letzten beiden Jahre, die den Maisanbau für die Landwirtschaft so attraktiv machen. Dr. Sprich riet Maisbetrieben dringend, die jetzt entstehenden finanziellen Spielräume in eine intensivere Bodenbewirtschaftung zu investieren, um für weniger gute Jahre vorzusorgen.

„Wüste Mais“? Lebensraum Mais!

Dieses positive Bild der Kulturpflanze in der Branche wird in der Öffentlichkeit keineswegs immer geteilt. Vielmehr wird Mais häufig als Monokultur wahrgenommen, die das Landschaftsbild verschandele und zulasten der Nahrungsmittelproduktion in die Treibstoffherstellung flössen. Daher ging Gastreferent Dr. Bernd Wührer vom biologischen Pflanzenschutzspezialisten AMW Nützlinge GmbH einmal der bisher kaum gestellten Frage nach, welchen Lebensraum der Mais denn eigentlich biete. Das Ergebnis ist erstaunlich: Die vermeintliche „Wüste Mais“ ist durchaus am Leben. Der Mais ist demnach Lebensraum für die unterschiedlichsten Organismen, angefangen bei Bodenbakterien, über Kräuter, Wildpflanzen, Vögel sowie Insekten und Spinnen. In dieser Hinsicht steht der Mais den anderen Kulturen bei sachgerechtem Anbau in nichts nach.

Altbekannte Schädlinge

Zu kämpfen haben die Maisbauern jedoch nicht nur mit Imageproblemen, sondern vor allem mit zwei alten Bekannten, dem Maiszünsler und dem Maiswurzelbohrer. Beide Schädlinge breiten sich im Süden Deutschlands immer mehr aus und fressen sich langsam von Süden nach Norden durch die Maisbeständen Badens. Inzwischen liege der Vemehrungsfaktor beim Maiszünsler bei 75. Gute Erfolge bei der Bekämpfung erzielt AMW laut Dr. Wührer mit dem Nützling Trichogramma, der Schlupfwespe, ein natürlicher Fressfeind des Maiszünslers. Der Wirkungsgrad liege bei bis zu 75 Prozent. Ein Thema in der anschließenden Diskussion war die politische Ungewissheit, ob die biologische Schädlingsbekämpfung im kommenden Zyklus des MEKA-Programm des Landes Baden-Württemberg (Marktentlastungs- und Kulturlandschaftsausgleich) ab 2013 weiter gefördert werde. Hier sei die Landsregierung gefragt.

„Billion Dollar Bug“

Anders als beim Maiszünsler ist beim Maiswurzelbohrer nicht nur der Käfer, sondern vor allem auch die Larve für die Maispflanze gefährlich. So werde das gefräßige Insekt in den USA entsprechend der Milliardenschäden bereits „the Billion Dollar Bug“ genannt. Beim Maiswurzelbohrer ist die wirksamste Gegenwehr laut Dr. Wührer immer eine Kombination von mehreren Maßnahmen, da es sich um einen Quarantäneschädling handele, der mit einem Wirkungsgrad von 100 Prozent bekämpft werden muss.

Wührer empfahl dafür Bioinsektizide im Verein mit der gesetzlich vorgeschriebenen Fruchtfolgeunterbrechung. In diesem Zusammenhang warb Dr. Sprich nochmals für Soja als Anbaualternative bei der Fruchtfolgeregelung. Angesichts der starken Unterdeckung in Europa mit Eiweißen und Ölen gebe es stets hohen Importbedarf und daher ideale Voraussetzungen für die Vermarktung der gefragten Bohne. Zugleich diene Soja dem Boden als natürlicher Stickstofflieferant.

Die Qualität hat auch Auswirkungen auf die Vermarktung

Die Schädlingsbekämpfung dient dabei nicht zuletzt auch der Qualitätssicherung der Ernte. Darauf wies Franz Utz hin, Geschäftsbereichsleiter Vermarktung bei der ZG Raiffeisen, der damit den Bogen zur Erzeugerpreisentwicklung schlug. Hintergrund sind die teilweise erheblichen Mykotoxinbelastungen bei Weizen, mit denen manche Partien in der laufenden Ernte zu kämpfen hatten. Diese Qualitätseinbußen könnten auch beim Mais eintreten und würden durch Schädlinge wie den Maiszünsler gefördert, weil dieser den Stengel der Maispflanze anbohre und so das Eindringen von Feuchtigkeit und Pilzerregern fördere. Utz appellierte an die Landwirte, die Gefahren, die vom Maiszünsler ausgehe, nicht zu unterschätzen.

Ein Blick in die Glaskugel des Marktes

Im Anschluss an sein Fazit einer höchst erfreulich verlaufenen Maisernte 2012 wagte Utz außerdem einen Blick in die „Glaskugel“, um seine Einschätzung der Erzeugerpreisentwicklung zu geben. Auf folgende vier Indikatoren sei seiner Meinung nach zu achten: das Verhältnis von Produktion zu Verbrauch von Agrarerzeugnissen, das Klima, die politischen Rahmenbedingungen und die Qualität der Marktware. Infolge der demografischen Entwicklung der Weltbevölkerung werde die Produktion laut Utz auch in Zukunft dem Verbrauch hinterherhinken. „Mehr Menschen brauchen mehr Nahrung“, lautete das ebenso simple sowie schlagende Argument. Vergrößert werde diese Produktionslücke zusätzlich durch die extremen klimatischen Bedingungen, denen sich die globale Agrarwirtschaft ausgesetzt sieht. Stürme, Trockenheit und extreme Temperaturunterschiede gefährdeten Jahr für Jahr die Ernten in verschiedenen Teilen der Welt. Dies sei auch kein temporärer Effekt, sondern schlicht ein Faktum. Da der Rheingraben bislang nicht durch extreme Naturkatastrophen aufgefallen sei, seien diese global gesehenen Wettereffekte für die hiesige Landwirtschaft allerdings nur bedingt mit Sorge zu sehen.

Beeinflussbarer als Klima und Politik bleibt für den Landwirt zumindest in gewissem Maße die Qualität der zu vermarktenden Ware. Rückblickend eröffnen gute Erzeugerpreise und hohe Erntemengen dem Landwirt Spielräume, Maßnahmen zur Qualitätssicherung zu ergreifen. Utz appellierte an die Landwirte, jene Entwicklungsschrauben, die sei selbst beeinflussen könnten, aktiv zu nutzen.

Politische Ungewissheiten 

Zu den größten Unsicherheitsfaktoren für die Branche gehören laut Utz neben dem das Wetter vor allem die künftigen politischen Rahmenbedingungen. So würden sich indirekt die Effekte der Eurokrise zwangsläufig auch auf die Agrarwirtschaft auswirken. Derzeit seien die haushaltspolitischen Verhandlungen auf EU-Ebene in vollem Gange. Hier könne nun nicht mehr von indirekten Effekten auf die Landwirtschaft gesprochen werden, hier gehe es konkret darum, wie die neue Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP) ab 2014 aussehen wird.

Den aktuellen Stand der Verhandlungen beleuchtete Thomas Preuße, Chefredakteur der DLG-Mitteilungen, in seinem Gastvortrag. Preuße lieferte ein tagesaktuelles und differenziertes Update über die Verhandlungen über die Verteilung von einer Billion Euro an Fördergeldern aus dem EU-Haushalt ab 2014. Hierbei könne es sich allerdings nur um Momentaufnahmen und Wasserstandsmeldungen handeln. Sicher sei derzeit nur, dass nichts sicher sei, so Preuße.

Besser Vorsorge als Nachsorge

Insgesamt rieten die versammelten Experten vor allem dazu, die Erträge der beiden letzten guten Maisjahre und die finanziellen Spielräume in die Vorsorge für kommende Zeiten zu investieren, nämlich in Produktions- und Qualitätssicherung. Genannt wurden eine Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit, das Thema Pflanzenschutz mit der Bekämpfung von Unkräutern und Schädlingen, eine rechtzeitige Versorgung mit Teilmengen des jährlichen Düngemittelbedarfs sowie die frühzeitige Absicherung wenigstens von Teilmengen der Ernte. Solange das Verhältnis von Preis und Erntemenge stimme, gelte es, Chancen mitzunehmen und Risiken für die Zukunft zu minimieren.

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