Weinbau-Großversuch 2013

Wieder gab es Fachführungen durch die Versuchsanlage (Fotos: Ralf Peter)

Weinbau-Großversuch 2013: Oidium ist die größte Gefahr

Auch in diesem Jahr setzt die ZG Raiffeisen Karlsruhe ihren Weinbau-Großversuch in der Ortenau fort, der 2012 in Zusammenarbeit mit der Schwestergenossenschaft Raiffeisen Waren-Zentrale Rhein-Main eG aus Köln angelegt wurde. Beide Hauptgenossenschaften versprechen sich von den gemeinsamen Großversuchen neue Erkenntnisse über den Pflanzenschutz im Weinbau. Am 25. August wurden die Ergebnisse interessierten Winzern auf dem Aspichhof bei Ottersweier vorgestellt.

Rund 130 Winzer aus ganz Süddeutschland ließen es sich auch bei strömendem Regen nicht nehmen, die Fortsetzung des ersten Weinbau-Großversuches in der Ortenau zu begutachten. Für das Fachpublikum bieten die Führungen die Gelegenheit, sich unabhängig und aus erster Hand über die Wirksamkeit von Pflanzenschutzmitteln gegen Rebkrankheiten zu informieren. Begleitet wurden die Winzer von zahlreichen Angehörigen und interessierten Besuchern des Hoffestes, das alljährlich am letzten Augustwochende auf dem Aspichhof stattfindet.

Im dortigen Weinberg in der Lage Huber Althof testet die ZG Raiffeisen die Wirksamkeit von Pflanzenschutzmitteln gegen die Rebkrankheiten Peronospora (falscher Mehltau) und Oidium (echter Mehltau) an der Rebsorte Müller-Thurgau sowie gegen Botrytis (Edelgrauschimmelfäule) in einer Riesling-Anlage. Aus Köln waren eigens Kollegen von der RWZ Köln angereist, um die Fachleute der ZG Raiffeisen bei den Führungen zu unterstützen.

Die Gefahr ist noch nicht gebannt

Die Versuchsergebnisse zeigen, dass die RWZ Köln und die ZG Raiffeisen mit ihren jährlichen Weinbauempfehlungen an die Winzer in ihren Regionen insgesamt richtig lagen. Diese Empfehlungen bauen wiederum zum guten Teil auf den Ergebnissen der Großversuche aus dem Vorjahr auf. „Erfreulicherweise können wir sagen: Bei den Reben, die nach unserem Spritzplan behandelt wurden, sind Blätter und Trauben gesund“, meint Weinbauexperte Gerhard Veith. „Aber bei den derzeitigen Witterungsbedingen, mit vielen Niederschlägen und langer Blattnässe, wird es fast unvermeidlich noch in diesem Jahr einen späten Befall mit Peronospora geben. Die kommende Weinlese wird dadurch keine Probleme mehr bekommen. Aber die Infektionen sind dann da und sollten im neuen Jahr frühzeitig bekämpft werden.“

Veith erklärte bei der Führung, wie einmal vorhandene Pilzsporen in der Pflanze überwintern, entweder im Holz oder im Falllaub. Bedingt durch das nasse Frühjahr sei die Phomopsis sortenbedingt stark vorhanden. Man solle daher im zeitigen Frühjahr, sobald sich das erste Grün an den Rebstöcken zeige, mit den Austriebsspritzungen beginnen.

Oidium statt Peronospora

Im Vorjahr hatten die Winzer aufgrund der nassen Witterung vor allem mit einem nie gekannten Infektionsdruck durch Peronospora (falschem Mehltau) zu kämpfen. In der Kontrollvariante – einer Versuchsreihe, die zum Vergleich komplett unbehandelt gelassen wird – fiel 2012 die komplette Ernte dem Pilz zum Opfer. Dies war 2013 anders. Nach einer langen nassen kühlen Phase wurde es schlagartig heiß und trocken – ideale Bedingungen für Oidium (echter Mehltau), der somit in diesem Jahr die größte Bedrohung für die Winzer und ihre Reben darstellt.

Für den Versuch könne eine neue Bedrohung aber durchaus vorteilhaft sein, so bedrohlich diese Infektionen für die Winzer auch seien. „Wenn wir in 2013 wieder Peronospora bekommen hätten, könnten wir nichts über Oidium lernen“, meint Veith. Wenn Oidium an den Blättern oder Beeren schon ansatzweise sichtbar sei, dann könne etwas mit der Pflanzenschutzstrategie nicht stimmen. Entweder seien die Spritzabstände zu lang gewesen, oder es sei nicht das richtige Pflanzenschutzmittel zum Einsatz gekommen.

Botrytis bleibt geheimnisvoll

Das gilt auch für die 17 Versuchsreihen zu Botrytis (Edelgrauschimmelfäule) in der benachbarten Rieslinganlage. „Wir hoffen, dass wir in diesem Jahr dort Ergebnisse bekommen, damit wir über die verschiedenen Botrytisbekämpfungsmöglichkeiten Aussagen treffen können“, meint Veiths Kollege, ZG Raiffeisen-Verkaufsberater Matthias Markolf. „Im letzten Jahr haben wir auch auf Botrytis getestet, aber es gab praktisch keinen Befall. Daher konnten wir dazu bisher noch nicht so viele Erkenntnisse gewinnen.“ Derzeit sei es für diese Rebkrankheit aber noch zu früh, um etwas sagen zu können. Der Witterungsverlauf der nächsten Wochen werde entscheiden, wie stark der Botrytisdruck sein wird.

Was Vitamin C für den Menschen ist, ist phosphorige Säure für die Rebe

Beide Hauptgenossenschaften lernen durch die Großversuche in jedem Jahr mehr über die Wirksamkeit von Pflanzenschutz in den großen Reblagen Deutschlands, namentlich vor allem Mosel, Rheinhessen, Südpfalz und Baden. Da die Ausgangsbedingungen wie insbesondere die Witterung in jedem Jahr einzigartig sind, gibt es keine Patentrezepte im Vorfeld. In jedem Jahr gewinnen die Fachleute aber neue Erkenntnisse, die dann im nächsten Jahr in die Pflanzenschutzempfehlung eingeflochten werden können.

Bewährt hätten sich in der Rückschau auf das vergangene Jahr vor allem Kontaktmittel in Kombination mit phosphoriger Säure. „Die phosphorige Säure wirkt zwar nicht gegen den Rebpilz selbst, aber sie stärkt die Abwehrkräfte der Pflanze. Es ist für die Pflanze gewissermaßen das, was Vitamin C für den Menschen ist“, meint Veith. Im Gegensatz zu den großen Weinbauversuchen der Pflanzschutzmittelhersteller testen die beiden Hauptgenossenschaften unabhängig und nehmen Produkte von mehreren Anbietern unter die Lupe. Neue Wirkstoffe werden mit Unterstützung der Firmen Belchim und DowAgroSciences getestet.

Neuer Begrünungsversuch

Neu sind in diesem Jahr fünf Demonstationsvarianten, bei denen Begrünungsmischungen für Reben ausgesät wurden. Begrünungen fördern das Bodenleben, die Humusbildung und wirken gegen Erosionen. Gerade in Jungfeldern werden  Begrünungsmischungen sehr gerne ausgesät, um die Bodenaktivität zu verbessern. Mit den bisherigen Ergebnissen ist Matthias Markolf mehr als zufrieden. Die fünf ausgesäten Varianten hätten sich trotz der langen Trockenphase sehr gut entwickelt. Zum Einsatz kamen eine Leguminosenmischung mit Hafer, Buchweizen mit Phacelia, eine Kleegrasmischung, die bekannte Wolffmischung sowie Phacelia mit Bokharaklee. Man müsse nun beobachten, wie sich die unterschiedlichen Bestände weiter entwickelten und welche Effekte auf die Bodenqualität dadurch entstünden. 

Musterzeile in Echtzeit

Für die Neuauflage des Großversuches 2013 wurde außerdem erstmals 6 Musterzeilen angelegt, in denen Winzer das gesamte Weinbauzubehörsortiment der ZG Raiffeisen in Aktion begutachten können. Dazu gehören Pfähle, Drähte und das gesamte Spezialwerkzeug, das bei der Neuanlage von Rebanlagen benötigt wird. Die entsprechenden Produkte sind im Weinbauzubehör-Katalog der ZG Raiffeisen aufgeführt. Das passende Rebpflanzgut dazu, die Rebstöcke, gibt es im ZG Raiffeisen Reblager Merdingen.

Der Weinbau-Großversuch soll 2014 in jedem Fall fortgesetzt werden. Wer Interesse an weiteren Führungen hat, wende sich bitte an Gerhard Veith oder Matthias Markolf.

Impressionen vom Weinbau-Großversuch 2013
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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