Weinbau-Großversuch 2015

Noch ist alles drin für die Weinlese 2015, trotz großer Hitze (Fotos: ZG Raiffeisen)

Weinbau-Großversuch 2015: Kein Sonnenbrand in Sicht für die Weinlese 2015

Trotz sengender Hitze ließen sich am Wochenende wieder zahlreiche Fachbesucher bei der alljährlichen Vorstellung des Weinbau-Großversuches der ZG Raiffeisen durch die Versuchsanlage am Aspichhof bei Ottersweier führen. Viele machten aus dem Termin einen Familienausflug und sahen nebenan beim traditionellen Aspichhoffest vorbei. Kurz vor der Weinlese ist die Prognose der Experten trotz der Hitzewelle optimistisch: Wenn es nicht noch über mehrere Tage hinweg stark regnet, kann 2015 immer noch ein sehr guter Jahrgang werden.

Während 2014 vor allem die gefräßige Kirschessigfliege Winzer und Obstbauern im Südwesten in Atem hielt, war das beherrschende Thema in diesem Jahr das Extremwetter mit Höchsttemperaturen und Trockenheit. Die Hitze hat auch den Reben zugesetzt, die Beerenhaut ist oft ausgedörrt und strapaziert. Allerdings waren die Vegetationsbedingungen regional recht unterschiedlich. Während im Kraichgau, in der Ortenau und in Tauberfranken Trockenschäden zu beobachten waren, litten das Markgräflerland und der Kaiserstuhl im Frühsommer unter heftigen Niederschlägen, teilweise mit Hagel.

Alle Fotos vom Versuch finden Sie weiter unten auf der Seite


Erst dann kam die Hitze, die den Wein-Jahrgang 2015 aber bisher nicht entscheidend gefährden konnte. Der moderate Regen im August habe die Lage wieder entschärft, meint ZG Raiffeisen-Weinbauexpertin Katja Bohnert. Insgesamt kann sie damit auch in diesem Jahr wieder zufrieden sein mit der Pflanzenschutzempfehlung, die die ZG Raiffeisen im Frühjahr an die Winzer in ihrem Arbeitsgebiet ausgegeben hat.

"Wir haben sehr gute Wirkungsgrade beim Pflanzenschutz erzielt und in der Praxis mit unserer Empfehlung) keinen Befall", sagt Katja Bohnert. Sie betreut den Großversuch der ZG Raiffeisen, in dem ökologische und konventionelle Pflanzenschutzmittel gegen die bedeutensten Rebpilzkrankheiten im Weinbau testet.

Nicht jeder Pilz mag es heiß

Im Weinbau muss auch anhaltende Wärme allerdings auch nicht unbedingt so tragische Folgen haben wie bei anderen Kulturen. Im Gegenteil: Peronospora (falscher Mehltau) braucht vor allem Nässe und hatte daher in dieser Saison keine Chance. Nicht einmal die unbehandelte Kontrollvariante im Versuchsfeld weist größeren Befall auf.

Dies sah in den vergangenen Jahren meist anders aus. In jedem Versuch werden stets mehrere Reihen zum Vergleich gar nicht behandelt, um zu sehen, wie sich der jeweilige Pilz entwickelt, wenn er gar nicht bekämpft wird. Das Ergebnis ist in den vergangenen Jahren meistens niederschmetternd, wenn nicht ein Totalschaden gewesen. So zeigt der Großversuch stets aufs Neue: Weinbau, der ganz auf Pflanzenschutz verzichtet, egal ob ökologisch oder konventioneller Art, ist nicht überlebensfähig.

Je mehr Luft die Trauben haben, desto besser

Anders sieht es bei Oidium (echter Mehltau) aus, dessen Sporen sich bei Wärme am wohlsten fühlen. Hier ist der Infektionsdruck entsprechend hoch und daher besonderes Augenmerk geboten. Im neuen Jahr kommt es dann vor allem darauf an, den Zeitpunkt für die ersten beiden Anwendungen nicht zu verpassen. Diese sind meist entscheidend für den Aufbau eines guten Infektionsschutzes für die Saison.

Für ein Ergebnis im Botrytis-Versuch (Grauschimmelfäule) ist es noch zur früh. Interessant sind hier besonders die Experimente mit verschiedenen Ausdünnungsvarianten. Dabei werden verschiedene Mittel ausprobiert, die Größe und Abstand der Beeren beeinflussen. Als Faustregel gilt: Je mehr Luft die Trauben haben, desto geringer ist die Gefahr, dass sich Fäulnis auf engstem Raum ausbreiten kann.

Zufrieden ist Bohnert auch mit dem Praxisersuch nach ökologischen Richtlinien. Hier werden seit 2014 auf rund 300 Quadratmetern ausschließlich biologische Pflanzenschutzanwendungen getestet. Statt Herbiziden kam daher bei der Unterstockbearbeitung eine Flachschar zum Einsatz. Außerdem liegt der bisherige Kupferverbrauch mit 2,3 Kilogramm deutlich unter dem gesetzlich zulässigen Höchstwert von 3 Kilogramm pro Hektar.

Steter Tropfen spart am meisten bei der Bewässerung

"Gefährlich kann es jetzt eigentlich nur noch werden, wenn es über mehrere Tage hinweg stark regnet", sagt Katja Bohnert. "Dann könnten die Trauben aufschwemmen und die von der Hitze arg strapazierte Beerenhaut kann aufbrechen. Diese Risse wären dann eine Einstrittspforte für den Botrytis-Pilz, der im Inneren der Beere seine Nahrung findet."

In drei Rebgassen gab es außerdem drei verschiedene Arten von Tropfbewässerung zu sehen, die angesichts der großen Trockenheit in den letzten Wochen auf besonderes Interesse stießen. Besonders bei jungen Anlagen und am Hang ist der Einsatz empfehlenswert, um Trockenstress zu vermeiden. "Die Tropfbewässerung ist die sparsamste Methode überhaupt", sagt ZG Raiffeisen-Verkaufsberater Mathias Markolf. "Nichts kann verdunsten oder verwehen, es gibt daher keine Wasserverluste wie beim Sprengen."

Die kleinen Helfer des Winzers: Hier blühen die Nützlinge auf

Zusätzlich gibt in diesem Jahr in der Anlage einen Versuch, in dem neun verschiedene Mischungen zur Begrünung des Bodens in den Rebzeilen mit Gräsern, Kräutern und Leguminosen getestet werden. Dies soll das Rebwachstum und die Humusbildung unterstützen, aber auch Nützlinge anlocken wie die Honigbiene, den Siebenpunkt-Marienkäfer oder die Florfliege. Prominentester Vertreter im Südwesten dürfte derzeit die Schlupfwespe (Trichogramma) sein, die im Kampf gegen den Maisschädling Maiszünsler per Multikopter-Drohne aus der Luft eingesetzt wird.

Gekrönt von einer Sonnenblume

"Guter Pflanzenschutz funktioniert eben nicht nur mit der Spritze", meint Katja Bohnert. "Der Winzer hat zahlreiche natürliche kleine Helfer im Weinberg. Je besser er diese behandelt, desto weniger Schädlinge muss er bekämpfen." Wie zur Bestätigung erstrahlt gleich zu Anfang in der Rebgasse mit der Wolff-Mischung eine prächtige Sonnenblume.

Zum Thema Pflanzenschutz berät Sie gern Ihre nächste ZG Raiffeisen Agrar-Niederlassung.

Die Versuchsanlage im Weinberg am Aspichhof

Alle Jahre wieder

Großversuch Weinbau-Fungizide der ZG Raiffeisen bei Ottersweier

Gemeinsam mit der Schwestergenossenschaft Raiffeisen Waren-Zentrale Rhein-Main eG Köln (RWZ) betreibt die ZG Raiffeisen vier Weinbau-Großversuche in den großen deutschen Weinbaugebieten Baden, Mosel, Rheinhessen und Südpfalz. Die Erkenntnisse aus diesen Versuchen erlauben vergleichende Auswertungen für rund 80 Prozent der Weinbaufläche in Deutschland und fließen in die alljährlichen Weinbauempfehlungen der beiden ländlichen Hauptgenossenschaften an die Winzer in ihrem jeweiligen Arbeitsgebiet ein.

Im Gegensatz zu anderen Anbietern testen die beiden Hauptgenossenschaften Pflanzenschutzmittel am Markt unabhängig und nehmen dabei auch Produkte von mehreren Herstellern unter die Lupe. Neue Wirkstoffe, für auf eine Zulassung hinarbeiten, werden im Weinbauversuch mit Unterstützung der Firmen Belchim und Dow AgroSciences getestet.

Die Ergebnisse des Weinbau-Großversuches werden traditionell jedes Jahr im Rahmen des Hoffestes auf dem Aspichhof bei Ottersweier vorgestellt. Bei fachlich begleiteten Führungen durch die Versuchsanlagen können sich Fachbesucher, Journalisten sowie alle interessierten Bürger vor Ort ein Bild von den Versuchen machen und sich über die Ergebnisse informieren.

Impressionen vom Weinbau-Großversuch 2015
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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