Das Rinderforum

Das Rinderforum in Donaueschingen (Foto: RKW Kehl)

Rinderforum 2018: Glück kann man nicht bestellen, aber planen

Kann man seinem betrieblichen Glück als Landwirt auch auf die Sprünge helfen? Immerhin ist jeder Milchviehbetrieb auch ein Wirtschaftsunternehmen, das eine professionelle Betriebsführung braucht. Rund 240 Fachbesucher kamen in diesem Jahr zu den traditionellen Rinderforen des RKW Kehl, um sich über das Thema Management in der Milchviehhaltung auszutauschen.

Wirtschaftlicher Erfolg ist selten Glückssache allein, sondern beruht in erster Linie auf dem beruflichen Können und auf der Tüchtigkeit des Einzelnen. Doch dabei ist es mindestens ebenso wichtig, den Faktor Glück und auch die Freude an der Arbeit nicht zu vernachlässigen.

Das zeigten die Vorträge beim diesjährigen Rinderforum am 28. November in Donaueschingen sowie am 12. Dezember in Mosbach. RKW-Geschäftsführer Bernhard Stoll hatte wieder fachkundige Referenten gewinnen können, die jeweils ganz eigene Einblicke in ein komplexes Thema boten.

Kenne deine Ziele

„Wer nicht weiß, wo er hinwill, der darf sich auch nicht wundern, wenn er woanders ankommt“ – mit diesem Zitat von Mark Twain brachte Stefan Mühlenstädt vom RKW Kehl in seiner Einführung zum Thema die Quintessenz jeder Management-Strategie auf den Punkt: Sich darüber klar zu werden, wo man steht und was man eigentlich erreichen möchte.

Im operativen Tagesgeschäft bleibt oft wenig Zeit, sich über die Betriebsentwicklung Gedanken zu machen. Je klarer die einzelnen Bereiche und die damit verbundenen Ziele in einem Betrieb definiert sind, desto leichter wird es für den Landwirt, solche Entscheidungen zu treffen und seine betrieblichen Ziele konsequent weiter zu verfolgen. Moderne Management-Methoden bieten dafür zahlreiche Instrumente und Modelle, um Ziele zu definieren, zu planen und umzusetzen.

Die Hunderttausend-Liter-Kuh

Somit sollte der Managementzyklus bei landwirtschaftlichen Betrieben vor allem ein Problemlösungszyklus sein, der auf dem Boden der Praxis steht und auf Tatsachen aufbaut. Mit den richtigen Management-Parametern muss auch die „Hundertausend-Liter-Kuh“ keine Zukunftsfantasie bleiben, wie Markus Rombach vom RKW Kehl in seinem Rinderforum-Debut erläuterte.

Hier bilden die Lebensabschnitte der Tiere jeweils ganz eigene Managementzyklen, für die unterschiedliche Schwerpunkte und Ziele gesetzt werden sollten. Dies funktioniert natürlich nur mit gesunden Tieren und mit dem richtigen Controlling.

Raus aus der Arbeitsfalle Landwirtschaft

Solche Instrumente produzieren allerdings in der Regel auch eine Menge Daten, bei denen vor allem kleinere Betriebe schnell den Überblick verlieren können. Smart Farming kann dabei eine Hilfe sein, wird aber zugleich die Informationsflut weiter erhöhen.

Daher empfiehlt es sich, bei allem Engagement für den beruflichen Erfolg auch die notwendige Distanz zu Geschäftsinhalten und Kennzahlen zu wahren, wie Professor Dr. Matthias Schick vom Strickhof im schweizerischen Lindau in seinem Vortrag zum Thema „Arbeitsfalle Landwirtschaftsbetrieb“ zeigte.

Das beginne damit, die eigenen „Zeitdiebe“ zu kennen, also häufige Fehler und Schwächen bei Planung und Umsetzung zu identifizieren, Prioritäten zu setzen und Aufgaben vernünftig zu verteilen, anstatt alles selbst machen zu wollen.

Dafür müsse man auch lernen, mal „Nein“ sagen zu können, denn am wichtigsten bleibe es, das Gleichgewicht zwischen Betrieb und Familie zu wahren. „Hunde kann man trainieren, Betriebe kann man managen, aber Menschen muss man führen“, sagte Professor Schick.

Gemeinsam glücklich werden

Nahezu vorbildlich verwirklicht hat dieses Prinzip der Hof der Familien Binkert und Wagner in Albbruck-Birndorf, den Barbara Winkler vorstellte. Sie bewirtschaften den DLG-Spitzenbetrieb mit 230 Milchkühen gemeinsam im Rahmen einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR).

Die Familienmitglieder haben unterschiedliche Ausbildungswege beschritten und decken damit ein sehr breitgefächertes Wissensspektrum ab. Somit bleibt genug Raum für familiäre Bedürfnisse, weil die Aufgaben nach Fähigkeiten verteilt werden können und immer jemand da ist, der auch mal einspringen kann.

Das eigentliche Betriebsgeheimnis jedoch besteht darin, die Bedürfnisse von Landwirt und Kuh möglichst miteinander in Einklang zu bringen. „Das beste Management für einen Milchviehbetrieb ist, wenn sich diese Bedürfnisse weitestgehend überschneiden“, meinte Winkler. „Diesen Weg muss man dann mit betriebsspezifischen Zielen für Produktion und Führung definieren.“

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