Rinderforum 2011

Kälberzucht beginnt im Kopf

Das 4. Rinderforum in Donaueschingen stand ganz im Zeichen der richtigen Versorgung der Jungtiere in den ersten Lebenswochen als Erfolgsfaktor in der Milchviehhaltung. Unseren ausführlichen Bericht und alle Vorträge zum Herunterladen finden Sie hier.

Warum sollte es Kühen anders gehen? Alles, was ihnen Stress verursacht, schadet ihnen, besonders zu Beginn ihres Lebens, wenn sie noch wachsen. Sie brauchen Luft, Wärme, ausreichend Platz, die richtige Nahrung und liebevolle Begleitung wie jedes andere Lebewesen auch. Das fängt bei der Fütterung an und hört bei der Gestaltung ihres Stallumfeldes auf. So sind die ersten Lebenswochen entscheidend für die Gesundheit des Kalbes und damit für die Leistung der späteren Milchkuh.

Auf die ersten Wochen kommt es an

Die richtige Versorgung des Kalbes in den ersten Lebenswochen standen auch im Fokus des 4. Rinderforums zum Thema „Kälberviehhaltung und Jungviehzucht - Basis des Erfolgs in der Milchproduktion“, zu dem das Raiffeisen-Kraffutterwerk Kehl (RKW) und die ZG Raiffeisen am 9. November  in die Donauhallen in Donaueschingen luden. Rund 150 Besucher aus Landwirtschaft und Fachwelt konnte Gastgeber Bernhard Stoll, Geschäftsführer des RKW Kehl, begrüßen. Auf dem Programm standen Fachvorträge von Experten aus ganz Deutschland rund um das Thema Kälberzucht. Themenschwerpunkte waren Fütterung, Immunschutz, Stallhygiene und klimatische Faktoren in der Stallhaltung.

Rund um die Tagung zeigten neun Aussteller Produkte, Geräte und Stalltechnik rund ums Kalb, vom mobilen Fütterungautomaten bis hin zur kompletten Stalllösung. Das RKW Kehl und der Geschäftsbereich Technik der ZG Raiffeisen waren jeweils mit einem eigenen Stand vertreten.

Die richtige Kälberzucht beginnt im Kopf

In den ersten Lebenswochen kommt es besonders auf den richtigen Schutz und die richtige Versorgung an. „Verschenkte Zukunft“, nannte es Uwe Eilers vom Landwirtschaftlichen Zentrum für Rinderhaltung, Grünlandwirtschaft, Milchwirtschaft, Wild und Fischerei Baden-Württemberg (LAZ-BW) in seinem Vortrag, wenn 20 Prozent der Jungtiere entweder totgeboren werden oder in den ersten 8 Lebenswochen verendeten. Gerade in den ersten Lebenswochen seien die Tiere besonders anfällig für Krankheiten. Diese verursachten nicht nur hohe Kosten, sondern auch schwere Belastungen für die Tiere, wenn diese denn überlebten.

Bei den gegenwärtigen Milchleistungen je Lebenstag beginne die Gewinnphase in der Milchviehhaltung frühestens in der dritten Laktation. Das Ziel müsse daher eine Michleistung von mindestens 14 kg je Lebenstag sein. Weiterhin konnte Eilers in seinem Vortrag zum Thema „Kälberaufzucht – optimaler Start für die erfolgreiche Milchkuh“ Erstaunliches berichten: Krankheitsanfälligkeit und Sterberate von Kälbern sanken laut Statistik, wenn sie von Frauen anstatt von Männern aufgezogen werden.

Zu den wichtigsten Faktoren für den richtigen Schutz der Tiere gehört natürlich die Stallhygiene. „Hygiene beginnt im Kopf“, brachte Dieter Jürgens vom Hygienespezalisten Desintec aus Hannover seinen Vortrag zum Thema „Hygiene in der Kälberaufzucht“ auf den Punkt. Absolute Sterilität sei  im Kuhstall ohnehin nicht zu erreichen, doch der Schutz der Tiere sei eine Frage des Bewusstseins sei. Denn mit den richtigen Maßnahmen lasse sich die Infektionskette erfolgreich unterbrechen. Wie Jürgens es nannte: „Hygiene kostet Geld, aber keine Hygiene kostet noch viel mehr Geld.“

Jedes Gramm zählt

Im Vortrag von Alfons Fürst, Produktionsmanager beim RKW Kehl, zum Thema „Kälberfütterung – die ersten Lebenswochen sind entscheidend für die Leistung der späteren Milchkuh!“ kam es dagegen bereits  auf jede Stunde an: Da das Kalb ohne Abwehrstoffe geboren werde, sei die Versorgung mit Kolostrum (Muttermilch) in den ersten Stunden nach der Geburt die beste Immuntherapie für das Jungtier. Diese setzte sich dann mit einer systematischen Versorgung in den ersten Lebenswochen fort. Ansonsten ernähre man nicht das Kalb, sondern nur Krankheitserreger. Fürst rechnete vor, dass 100 Gramm Zuwachs in der Lebendmasse des Kalbes 100 Kilogramm mehr Leistung bei der späteren Milchkuh in der ersten Laktation bedeuteten.

Nicht im Regen stehen lassen

Wenn denn die Tiere die dritte Laktation überhaupt erreichten. Viele schafften es nicht, wie Dr. Hans-Peter Heckert von der Freien Universität Berlin im Abschlussvortrag zum Thema „Haltung und Klimagestaltung im Kälberbereich“ aus seiner Erfahrung als Tierarzt zu berichten wußte. Hauptursache seien unerkannte oder unterschätzte Atemwegs- und Durchfallerkrankungen, die sich laut Heckert wiederum in der Regel auf die Haltungsbedingungen zurückführen ließen. Dies betreffe vor allem die Regulierung klimatischer Einwirkungen wie Temperatur und Thermik, Luftfeuchte und -zirkulation.

Anhand vieler Beispiele aus seiner täglichen Praxis zeigte Heckert, wie schwierig die richtige bauliche Stallgestaltung ist. Selbst bei durchdachten Lösungen liefen die Tiere häufig Gefahr, unter Zugluft, Auskühlung, Nässe oder mangelnder Zu- oder Abluft zu leiden. Abhilfe schaffen könne nur entweder ein überlegter Umbau mit System oder eine komplette Neugestaltung, aber niemals eine Mischung aus beidem, was zu den häufigsten Fehlern in der Jungtierhaltung gehöre. Aus verständlichen Gründen versuchten viele Milchviehhalter eher an- als neuzubauen.

Heckert empfahl wie die meisten seiner Vorredner die Einzelhaltung in Einzelboxen, getrennt von älteren Tieren und geschützt vor Zugluft, unter ständiger Beobachtung. Denn: Nur aus einem glücklichen und gesunden Kalb wird eine glückliche und leistungsfähige Milchkuh.

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