Rinderforum 2015

Das Verständnis für ihre Vierbeiner konnten die Besucher in Mosbach interaktiv testen (Foto: RKW Kehl)

Rinderforum 2015: Der Spagat zwischen Familie und Betrieb in der Milchviehhaltung

Gegenseitiges Verständnis ist nicht nur keine schlechte Voraussetzung für Beziehungen, sondern schlicht eine Notwendigkeit. Das 9. und 10. Rinderforum in Donaueschingen und Mosbach beschäftigte sich mit der Frage, wie Milchviehhalter die Signale von Mensch und Tier richtig deuten und den ständigen Spagat zwischen Familie und Betrieb bewältigen können.

Unter dem Motto "Verständnis für die Kuh - der Erfolg kommt im Nu" diskutierten wieder Fachreferenten aus der Branche mit Mitarbeitern und Zuschauern über aktuelle Themen und Problematiken der Milchviehhaltung. Am Ende mündete all dies in eine Frage, die in der Landwirtschaft viel zu selten gestellt wird: Wie halte ich als Mensch das eigentlich alles aus, ohne zum Tier zu werden? Rund dreihundert Fachbesucher an den zwei Veranstaltungsterminen in Donaueschingen und Mosbach waren begeistert.

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"Wir beschäftigen uns mit den Tieren, seitdem es das Rinderforum gibt", sagte RKW-Geschäftsführer Bernhard Stoll. "Aber der Mensch ist ja auch noch da." Es gehe vor allem darum, zu beobachten und zu fühlen, bewusst wahrzunehmen und dann daraus zu lernen. "Wir möchten keine vorgefertigten Lösungen, sondern wir wollen die richtigen Fragen stellen", meinte Stoll.

Was war los auf dem Rinderforum in Donaueschingen? Einen ausführlichen Bericht mit einer Zusammenfassung der Fachvorträge von unserem Produktionsmanager Dr. Uwe Kaminski lesen Sie hier

Droht das Gespür füreinander verlorenzugehen?

Früher hätten die Landwirte viel mehr Zeit mit den Tieren verbringen müssen, weil vieles noch in Handarbeit gemacht wurde. Bei den Betriebsgrößen und dem Technisierungsgrad sei das heute oft kaum noch erforderlich oder möglich. Die Gefahr sei groß, dass hier das Gespür füreinander verloren ginge. "Diese Zeit sollte man sich nehmen, das ist einfach Prioritätensetzung", meinte Stoll. "Wenn ich genau hinsehe und ein Problem gleich erkenne, muss ich mich später nicht damit herumschlagen, den Fehler zu finden."

"Frauenversteher" gefragt

In Achtsamkeit und Verständnis konnte sich das Publikum bei der Mosbacher Veranstaltung gleich üben dank einer interaktiven Abstimmungssoftware, mit der die Duale Hochschule bereits Erfahrunge gesammelt hat. Die Besucher bekamen Bilder von Stallszenen zu sehen und konnten über eine App mobil abstimmen, ob und wenn ja welche Alarmsignale auf dem Bild zu erkennen seien. Die Resultate zeigten: Vorgefertigte Lösungen gibt es nicht, sondern es gilt, die richtigen Fragen zu stellen.

Ob "Männerversteher" oder "Frauenversteher" sei nicht die Frage, meinten die Referenten Julia Schmautz und Stefan Mühlenstädt vom RKW Kehl in Anspielung auf ein umstrittenes Kampagnenmotto des Bayerischen Bauernverbandes. Verständnis brauchten alle für alle. Es komme vor allem darauf an, sich Zeit zu nehmen, genau hinzusehen und dann zu handeln.

Die große Nähe zwischen Arbeitsplatz und Privatleben kann Menschen überfordern

Neben vielen möglichen Indikatoren, Alarmsignalen und Lösungen rund um das Stall- und Herdenmanagement stand das zentrale Thema im Vordergrund: Wo bleibt der Mensch in einer Branche, in der Arbeitsplatz und Privatsphäre oft fast identisch sind? Gerade Menschen in der Landwirtschaft mit ihren vielen Familienbetrieben sind besonders gefährdet. Die Referenten Angelika Sigel und Rolf Brauch wussten bei beiden Veranstaltungen aus ihrer familienberaterischen und seelsorgerischen Tätigkeit leider nur allzu viele Beispiele zu berichten von Familien, die mit dieser großen Nähe nicht zurechtkommen.

Auch der Mensch braucht Achtsamkeit

"Heute ging es viel um Achtsamkeit für die Tiere", sagte Rolf Brauch in Mosbach. "Wir brauchen aber auch Achtsamkeit im Umgang mit Menschen, also mit uns selbst." Beide Referenten versuchten zu zeigen, dass zum beruflichen Erfolg und zum privaten Glück eine klare Trennung zwischen beiden Bereichen gehört.

In einer immer volatileren, also flüchtigeren Welt mit unberechenbaren Märkten und einem nahezu unbegrenzten Zugang zu einer wachsenden Informationsflut steige die Sehnsucht nach Halt, Ordnung und festen Punkten im Leben. Diesen Halt kann aber eine Arbeit niemals geben, sondern nur die Beziehungen zu Menschen. Man müsse daher auch mal loslassen können und sich fragen: Tut mir das alles eigentlich gut?

Familie und Betrieb sollten zwei verschiedene Welten brauchen

"Familie und Betrieb sind zwei grundlegend verschiedene System, die dementsprechen auch grundverschiedene Lösungen brauchen", sagte Brauch. Die Familie brauche das Menschliche, der Job die Effizienz. Wer es nicht schaffe, beides sauber zu trennen, der setze die Famile dem Chaos aus und den Betrieb dem Ruin.

"Der Spagat zwischen Familien und Betrieb bedeutet heute: Man muss zum Profi in beiden Systemen werden. Die Erfolgreichen sind nicht unbedingt glücklich, aber die Glücklichen sind immer erfolgreich." Wenn die Kühe satt sind und der Landwirt zufrieden sind, dann sei der Spagat geglückt, meinte Brauch.

Zu gewinnen gab es natürlich - Futter!

Gastgeber der Veranstaltung waren in Donaueschingen erneut die Donauhallen, in Mosbach erneut der örtliche Campus der Dualen Hochschule Baden-Württember (DGBW), mit der das Unternehmen auch in Ausbildungsfragen zusammenarbeitet. So ließen es sich auch die Absolventen des Dualen Studiengangs BWL-Agrarhandel das Rinderforum auf ihrem Campus nicht entgehen.

Geschäftsführer Bernhard Stoll zeigte sich erfreut, dass die Veranstaltung in Mosbach, die zum zweiten Mal nun auch in Nordbaden angeboten wurde, rund doppelt so viele Besucher wie beim Auftakt anziehen konnte wie im Vorjahr.

Der richtige Käse durfte auch beim Rinderforum 2015 genausowenig fehlen wie das traditionelle Gewinnspiel. Der glückliche Gewinner der Verlosung durfte eine 750 Kilogramm schwere Mischpalette mit Futter im Wert von 1500 Euro mit nach Hause nehmen. Gelegenheit zum Austausch hatten die Forumsteilnehmer nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung bei Wein und Käse von der Käserei Spindler aus Löffingen.

 

Vorträge der Referenten (Auswahl)
Impressionen vom Rinderforum 2015
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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