Landwirtschaftlicher Innovationspreis 2015

Die Sieger mit ihren Projekten, Laudatoren und Stiftern, ganz rechts Thomas Huschle. Zum Vergrößern ins Bild klicken (Fotos: ZG Raiffeisen)

LUI 2015: „Innovation ist ein Bündnis mit der Zukunft“

In der Praxis entstehen häufig die besten Ideen. Am 16. November 2015 wurden zum 19. Mal pfiffige Entwicklungen und Geschäftsideen aus dem Alltag mit dem Landwirtschaftspreis für unternehmerische Innovation (kurz LUI) ausgezeichnet. Auch diesmal standen dabei die Themen Arbeitsergonomie und Arbeitssicherheit, Arbeitsökonomie sowie ein gemeinsames Wirtschaften auf Augenhöhe im Vordergrund.

Erneut stand die Jury um ihren Vorsitzenden Thomas Huschle vom Bund Badischer Landjugend (BBL) vor der sprichwörtlichen Qual der Wahl. Insgesamt 28 Projekte aus ganz Baden-Württemberg hatten sich beworben, und auch in diesem Jahr war nach übereinstimmender Klage der Juroren wieder eines interessanter als das andere. Sechs schafften es in die Endauswahl.

Überzeugen konnte die Jury diesmal das Dorfgasthaus „bolando“: Das Gasthaus in Bollschweil nahe Freiburg ist das erste genossenschaftlich geführte Ortsgasthaus in Deutschland und national wie international bereits eine kleine Berühmtheit. Das unternehmerische Konzept wurde mit dem ersten Preis ausgezeichnet.

Alle Fotos vom LUI 2015 finden Sie weiter unten auf dieser Seite


Auf dem zweiten Rang sah die Jury Daniel Lorch aus Reutlingen. Er hat einen neuartigen Gürtel für die Forstarbeit konzipiert, der Gelenke und Rücken des Trägers beim Arbeiten mit Werkzeugen im Wald entlastet. Auf dem dritten Platz landete der „Eurohub/Eurokipp“ von Friedrich Ganzmann aus Häusern, ein spezieller, universal nutzbarer Anbau für landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge. Mit diesem Gerät kann die Arbeitshöhe für beliebige Werkzeugaufsätze samt Kippfunktion (etwa für Schneeschaufeln im Winter) jederzeit um bis zu zwei Meter erhöht werden, ohne dass ein teures Spezialfahrzeug erforderlich wird.

Machen statt abwarten

In seiner Laudatio warb Alois Gerig MdB (CDU) um die Anerkennung von Gesellschaft und Handel für die Landwirte, ihre Leistungen und Ideen. Gerig, der im Landwirtschaftsausschuss des Deutschen Bundestages den Vorsitz führt, meinte, es komme nicht von ungefähr, dass die Landwirtschaft bei der tierischen und pflanzlichen Produktion und bei der Landmaschinentechnik weltweit Standards setze. Wertschätzung und Innovation gehörten untrennbar zusammen, so lautete Gerigs Schlussfolgerung.

Es könne nicht sein, dass die Landwirtschaft in ihrem Heimatland permanent der Überproduktion beschuldigt werde, während weltweit 800 Millionen Menschen hungerten und weitere 60 Millionen auf der Flucht seien. Zu viele Kunden hielten Regale voller hochwertiger Produkte zu Niedrigstpreisen heute für selbstverständlich. Es brauche auch die Wertschätzung der Gesellschaft und des Lebensmittelhandels bei der Preisgestaltung, damit die heimischen Landwirte von ihrer Arbeit auch leben könnten und die Produktion nicht vertrieben werde.

„Wir müssen den Menschen klarmachen, dass man mit dem richtigen Einkaufsverhalten dafür sorgen kann, dass unsere Kulturlandschaft so bleibt wie ist, dass die Ortschaften lebendig bleiben und damit auch die Landwirtschaft erhalten bleibt“, sagte Gerig.

Das Bündnis mit der Zukunft

„Innovation ist ein Bündnis mit der Zukunft“, sagte Verbandsdirektor Ansgar Horsthemke vom Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband (BWGV), der den LUI gemeinsam mit der ZG Raiffeisen eG stiftet. „Innovationen gehen immer von Menschen aus, die die Dinge in die Hand nehmen, die Probleme lösen, die etwas voranbringen wollen und sich nicht mit dem Status quo zufrieden geben möchten.“

Auch nach über hundertfünfzig Jahren seien die Genossenschaften nach wie vor ein Hort der Innovation. Die Genossenschaftsidee bleibe einfach attraktiv, weil sie Lösungen für viele Fragestellungen biete, ohne die Wurzeln ihrer Herkunft zu verleugnen: Organisierte Selbsthilfe. Nicht nur mit Blick auf das diesjährige Siegerprojekt nannte Horsthemke hier exemplarisch die Wiederbelebung von Dorfzentren, die vielerorts mit dem traditionellen Kleingewerbe auszusterben drohten, bis die Menschen wie im vorliegenden Fall die Dinge selbst in die Hand nähmen.  

Prozesse, nicht nur Produkte

Inzwischen geht der LUI in das 20. Jahr seines Bestehens. So konnte Dr. Ewald Glaser, Vorstandsvorsitzender der ZG Raiffeisen eG, seinen Stolz nicht ganz verhehlen über den Erfolg des Programms, das er einst selbst mit ins Leben gerufen hatte. Es zeige die Innovationskraft der Landwirtschaft, die Auszeichnungen wie diese mit einem gesunden Selbstbewusstsein ausstatten sollten.

„Innovation gedeiht immer dann, wenn etwas knapp wird, dann machen die Menschen genau wie die Natur sich Gedanken, wie man mit dieser Knappheit fertig wird“, sagte Glaser. „Dabei geht es inzwischen nicht mehr nur um neue Produkte, sondern immer mehr auch um Prozesse: Wie kann ich Abläufe vereinfachen, rationalisieren, tiergerechter oder menschengerechter gestalten?“

Weitere Informationen entnehmen Sie bitte der Pressemitteilung vom Veranstalter.

Markus Ell begrüßt die Gäste des LUI 2015 im Foyer der Oberkirchen WG

Zukunftsmodell Kooperation

Mit bolando wurde erneut nicht nur eine Genossenschaft, sondern auch eine Geschäftskooperation mit dem ersten Preis ausgezeichnet.

„In der Weinbranche sind Kooperationen heute allgegenwärtig“, sagte Markus Ell vom Vorjahressieger, der Oberkircher Winzergenossenschaft eG. 2014 war sie für ihre Kooperation bei Abfüllung, Logistik und Vertrieb mit ihrem Partner, der Winzergenossenschaft Hex vom Dasenstein aus Kappelrodeck, ausgezeichnet worden und war nun auch Gastgeber der diesjährigen Veranstaltung. Seit 2013 bündeln die beiden Winzergenossenschaften Abfüllung, Logistik und Vertrieb, gerade ist eine neue Etikettieranlage in Betrieb gegangen. Dies bringt beiden Partnern enorme Kosteneinsparungen und eine effiziente Auslastung.

„Wer heute nicht bereit ist, seine eigenen Befindlichkeiten hintenanzustellen und gemeinsame Potenziale mit anderen zu suchen, der wird nicht weit kommen", meinte Ell. "Der Druck am Markt ist groß, und wir verstehen und ergänzen uns einfach gut. Gemeinsam können wir unsere Kapazitäten jetzt viel besser nutzen.“

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Impressionen von der LUI-Verleihung 2015
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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