Landwirtschaftlicher Innovationspreis 2016

Die Trophäe (Mitte) im kabarettistischen Rückblick (Fotos: Jens kreutzfeldt/ZG Raiffeisen)

Aus Innovation wird Tradition: 20 Jahre LUI

Am 7. Dezember 2016 wurden in Achern wieder pfiffige Produkt- und Geschäftsideen aus der Landwirtschaft und ihrem Umfeld mit dem Landwirtschaftspreis für Unternehmerische Innovation, kurz L•U•I, ausgezeichnet. Neben den Preisträgern hatte in diesem Jahr auch der Preis selbst etwas zu feiern: Er wurde zum 20. Mal verliehen.

Ein Melkstand, der zu den Kühen kommt, ein neuartiges Erziehungssystem für Kirschen und ein Aperitif, der eine Kulturlandschaft retten soll – wieder wurden drei originelle und wegweisende Projekte aus der Praxis mit dem Landwirtschaftspreis für Unternehmerische Innovationen, kurz L•U•I, ausgezeichnet. Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz verlieh die Preise am 7. Dezember 2016 im Festsaal der Illenau in Achern.

Alle Fotos vom LUI 2016 finden Sie weiter unten auf dieser Seite


„Aus Innovation wird Traditon“, so brachte Jörg Hettich vom Bund Badischer Landjugend, die den Preis auslobt, die Essenz des L•U•I auf den Punkt. Denn in diesem Jahr trat die Jury bereits zum 20. Mal zusammen und kann damit auf zwei Jahrzehnte Innovationsarbeit im Südwesten zurückblicken. Daher standen neben den diesjährigen Preisträgern auch die Gewinner der vergangenen 19 Preisverleihungen im Mittelpunkt.

Dazu gehörten unter anderem die „Bure zum Alange!“, das Schwarzwälder Bauern-Kabarett von Nikolaus König und Wolfgang Winterhalder, das 2002 den Preis gewonnen hatte. Beide führten auf gewohnt launig-unterhaltsame Weise durchs Programm und befragten andere ehemalige Preisträger nach ihren Erinnerungen an den L•U•I.

Die Preisträger 2016

Nominiert waren sechs Projekte aus ganz Baden-Württemberg, die die Jury im Sommer aus den eingegangen Bewerbungen herausgesucht und bei einer Juryfahrt im September besucht hatte. Überzeugen konnte allen voran Joachim Dorer aus Furtwangen, der einen mobilen Melkstand entwickelt hat. So erspart er sich und den Tieren den langen Weg zwischen Stall und Weide. Auf den zweiten Platz kam der Obsthof Brändlin aus Efringen-Kirchen. „Upright Fruiting Offshoots“, also aufrecht wachsende Fruchttriebe oder einfach kurz „UFO“ heißt sein neuartiges Erziehungssystem, das mehr und bessere Kirschen verspricht. Dass aber auch alte Streuobstwiesen weiterhin bestehen bleiben können, dafür will die BIRNOH-Gilde mit einem neuartigen Birnenaperitif sorgen. Mit ihrem Projekt kamen sie auf Platz drei.

Seit 20 Jahren am Puls der Zeit

Laudator Stephan Burger, Erzbischof von Freiburg, erzählte in einer bewegenden Rede von der Rolle, die Innovation in seiner eigenen Familiengeschichte gespielt hat: Der Familienbetrieb, eine Dorfschmiede, hätte ohne ständige Erneuerung und Modernisierung nicht überleben können. Zugleich erinnerte Burger daran, dass gerade in unseren heutigen hektischen Zeiten zuviel Veränderung den Menschen auch überfordern könne – hier gelte es, die richtige Balance zu finden.

Im historischen Rückblick waren sich Vorstandsvorsitzender Dr. Ewald Glaser von der ZG Raiffeisen e.G. und Verbandsdirektor Dr. Ansgar Horsthemke vom BWGV als Vertreter der beiden Sponsoren einig, dass das Erfolgsgeheimnis des L•U•I bis heute auf dem Grundsatz beruht, nicht einfach nur Produkte aus der Landwirtschaft auszuzeichnen, sondern auch das vor- und nachgelagerte Gewerbe in den Blick zu nehmen. Denn ohne die betriebswirtschaftliche Seite sei Innovation heute kaum auf Dauer überlebensfähig. „Deswegen ist der L•U•I bis heute so dicht am Puls der Zeit“, sagte Horsthemke.

Ein Rückblick auf 20 Jahre Innovationsarbeit

Nur allzugern, wenn auch mit etwas Wehmut erinnerten sich vier Gründungsmitglieder an die Anfänge des Preises und an die erste Preisverleihung am 24. Oktober 1997 im Haus des Südwestrundfunks in Freiburg. Gleich beim ersten Mal gab es 56 Bewerbungen, die Auszeichnungen wurden von Landwirtschaftsministerin Gerdi Staibli verliehen, die Besucherresonanz war enorm. „Mir ist vor allem die festliche Atmosphäre in Erinnerung geblieben, die freudigen Gesichter der Preisträger und Gäste“, sagt Barbara Sester, heute Geschäftsführerin des Badischen Landwirtschafts-Verlags. „Wir waren stolz auf unser „Kind“!“

Das „Kind“ hatte ein Vorbild: „Wir hatten von einem ähnlichen Preis gehört, den es bei der befreundeten Vorarlberger Landjugend gab“, erzählt Sester. „Die Teilnahme an deren Juryfahrt hat uns endgültig überzeugt, so etwas auch zu wollen.“ Anfang März 1996 fand in Neustadt ein erstes Treffen mit einem Vorarlberger Referenten statt. Gründungsidee des L•U•I war zu zeigen, welche Wirtschafts- und Innovationskraft in der heimischen Landwirtschaft steckt, welche Leistungen und Ideen diese ständig, aber von der Öffentlichkeit beinahe unbemerkt hervorbringt. „Wir wollten weg vom Jammerbild hin zum Bild des innovativen landwirtschaftlichen Unternehmers“, erzählt Franz Benz, damals und heute Winzer in Oberkirch-Bottenau und inzwischen Vizepräsident des Badischen Weinbauverbands.

Die Innovation von morgen baut auf der von heute auf

Bis zu ersten Preisverleihung dauerte es dann noch rund anderthalb Jahre. Als Sponsor gewonnen werden konnte die ZG Raiffeisen, die aber keineswegs nur Geld, sondern vor allem landwirtschaftliche Professionalität in das Projekt mitbrachte, sagt Sester. Die Bewertungskriterien, die damals gemeinsam ausgearbeitet wurden, seien bis heute fast gleich geblieben. Für Dr. Ewald Glaser, heute Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft, gehört der L•U•I bis heute zu seinen Lieblingsprojekten. „Offensichtlich hat sich das Innovationstempo beschleunigt, denn die Zahl der Bewerbungen ist nicht kleiner, sondern eher größer geworden“, sagt Glaser. Und das Thema bleibe ein Dauerbrenner: „Wir leben in einer dynamischen Welt, weshalb jede Innovation im Laufe der Zeit veraltet, sofern sie nicht weiterentwickelt wird. Aus diesem Grund ist Innovation ein Dauerthema.“

Einen einzigartigen Blick auf den L•U•I hat Martin Ganz. Der Landwirt aus Buchenbach bei Freiburg gehörte 1997 als Vertreter der Landjugend zu den Mitbegründern des Projektes, bevor er Jahre später selbst Preisträger wurde. Er hat selbst erlebt, dass Innovation schnell als veraltet erscheinen kann, wenn sie von der nächsten Idee abgelöst wird. Doch das täusche. „Die neue Innovation baut oft auf dem Vorgängermodell auf“, sagt Ganz. Ein Anliegen des L•U•I war eben, einen Anreiz dafür zu schaffen, dranzubleiben und etwas Gutes weiterzuentwickeln. Ansonsten sieht Ganz den Preis weniger als eine Auszeichnung, sondern vielmehr als eine Empfehlung für seine Arbeit an.

Nicht laut, sondern nachhaltig

Ist der L•U•I also ein Beleg für den Ruf Baden-Württembergs als Land der Tüftler und Denker? „Vielleicht steckt uns das in den Genen“, meint Barbara Sester, zusammen mit viel Sachkenntnis und auch Kooperationsgeist. Ohne diese Eigenschaften hätte Baden-Württemberg jedenfalls kaum seine herausragende Position in der ganzen Welt erreicht, ist Dr. Glaser überzeugt. Martin Ganz verweist auf die Anzahl der Patente, die jedes Jahr in Baden-Württemberg angemeldet werden.  

Alle vier Gründungsmitglieder des L•U•I  sind sich einig, dass Innovation vor allem eines sein muss: Nachhaltig, also stets bereit, sich selbst zu hinterfragen und zu erneuern. Es sind jedenfalls oft nicht die „lauten Dinge“, die Neues hervorbringen, findet Franz Benz. „Innovativ sind auch die Menschen, die leise Fortschritt schaffen.“ Und manchmal entstehe eben auch aus der Not eine Tugend: „Gerade die landwirtschaftlichen Strukturen im Süden bedingen ja auch, dass wir innovativ sein müssen. Größer, höher, stärker können andere besser als wir. Kreativ sein ist eine Möglichkeit, in diesen kleinräumigen Strukturen zu überleben.“

Weitere Informationen entnehmen Sie bitte der Pressemitteilung des Veranstalters.

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