Generalversammlung

Premiere für die Generalversammlung der ZG Raiffeisen in Offenburg (Fotos: Jens Kreutzfeldt)

Generalversammlung 2014: In aller Munde

Am 27. Juni 2014 versammelten sich über 200 Mitglieder und zahlreiche Ehrengäste bei bestem Wetter zur 103. Generalversammlung der ZG Raiffeisen in der Messe Offenburg. Für Gastgeber und Gäste war es eine Premiere: Erstmals fand die Mitgliederversammlung der Zentralgenossenschaft in der Kreisstadt der Ortenau mit revolutionärer Vergangenheit statt.

Sehr zur Freude von Bürgermeister Oliver Martini, der in seinem Grußwort neue Traditionslinien bereits in greifbarer Nähe rücken sah. „Ich glaube, diese Mitgliederversammlung passt wunderbar in unsere Stadt, die sich ja auch als Mittelpunkt einer Genussregion versteht“, meinte Martini. Er spielte damit auf die Lebensqualität der Region im Allgemeinen und auf die sechs Weingüter in der Offenburger Gemarkung im Besonderen an, dank derer die Stadt sozusagen in aller Munde sei.

Auch mit dem freiheitlichen Erbe der Stadt fühle man sich einander nahe: „Wir brauchen die ZG Raiffeisen als engagiertes Unternehmen, bei dem der Mensch im Mittelpunkt steht. Alle Mitglieder haben die gleichen Rechte und Pflichten. Darauf können Sie stolz sein!“

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Für die Stadt zog der Bürgermeister die Erfolgsbilanz als ein prosperierendes Wirtschaftszentrum in der Region. Man werde inzwischen auch nicht mehr so leicht mit Offenbach verwechselt, scherzte Martini. Weitere Grüße überbrachten Dieter Blaeß vom Regierungspräsidium Freiburg und Werner Räpple vom Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband (BLHV) im Namen von Landesregierung und Landesbauernverband. Sie dankten der Genossenschaft für ihren Einsatz bei zahlreichen gemeinsamen Projekten.

Beide Redner zogen überwiegend positive Bilanzen der aktuellen agrarpolitischen Entwicklung. Auch kontroverse Themen wie Tierwohl, Greening und der Mindestlohn für Erntehelfer kamen zur Sprache. Räpple erinnerte dabei auch an den Beginn des Ersten Weltkrieges vor hundert Jahren, der gemahne, dass Europa nur gemeinsam als Friedensgemeinschaft seine Bedeutung erhalten könne, während die Weltbevölkerung jährlich um rund 80 Millionen Menschen wachse, die es zu ernähren gelte.

Rückblick auf das Jahr 2013

Die anschließende Mitgliederversammlung begann mit dem traditionellen Bericht des Vorstandes über das vergangene Geschäftsjahr. Mit rund 1,5 Milliarden Euro ging der Umsatz der ZG Raiffeisen-Gruppe gegenüber 2012 leicht zurück. „Der stabile Kurs der Vorjahre konnte sowohl hinsichtlich Umsatz und Ergebnis fortgesetzt werden“, resümierte Vorstandsvorsitzender Dr. Ewald Glaser.

Insgesamt habe die Ergebniserwartung nicht ganz erfüllt werden können. Positiv hervorzuheben sei jedoch, dass das Unternehmen seine Eigenkapitalbasis um 12,2 Prozent auf 74,1 Mio. Euro ausbauen konnte. Die Wettbewerbsfähigkeit konnte durch Investitionen, personelle und organisatorische Veränderungen sowie durch zukunftsorientierte Kooperationen gestärkt werden. Investiert worden sei vor allem in Standorte, Logistik und Personal. Die Ausschüttungen an die Mitglieder konnten gegenüber 2012 um 200.000 Euro auf 1,7 Mio. Euro erhöht werden. Weitere Informationen zum Geschäftsjahr 2013 finden sich im Geschäftsbericht sowie in unseren Pressemitteilungen.

Kontroverse Themen

Auch im Vorstandsbericht kamen kontroverse Themen aus der Landwirtschaft nicht zu kurz. Die pflanzliche Produktion kämpfe ebenso wie die tierische Produktion zunehmend mit der gesellschaftlichen Akzeptanz. Während Homöopathie und Schulmedizin nebeneinander akzeptiert würden, gelte dies für die Pflanzenproduktion mit und ohne synthetische Pflanzenschutzmittel nicht immer.

„Uns geht es an dieser Stelle nicht um ein Ausspielen von Bioproduktion gegen konventionelle Pflanzenproduktion, sondern um ein gedeihliches Nebeneinander. Wir brauchen beides, und die ZG Raiffeisen bedient beides“, betonte Glaser. „Die großen Märkte müssen konventionell bedient werden, damit Platz für die Nische – sprich: für die Bioproduktion – bleibt.“

Eine weitere Herausforderung sei der Rückzug des Landes aus der landwirtschaftlichen Beratung. Hier gelte es für das Unternehmen mehr denn je, einen integrativen Ansatz von Saatgut, Düngemittel, Pflanzenschutz und Agrartechnik zu finden. „Wissen wird zu einem immer wichtigeren Produktionsfaktor in der Landwirtschaft. Nicht das billigste Pflanzenschutzmittel, der billigste Dünger oder das billigste Saatgut ist in Zukunft wettbewerbsentscheidend, sondern das zusammen mit diesen Produkten vermittelte Wissen.“

Nachdenklich stimme auch bei der Tierhaltung der gesellschaftliche Wandel, so Glaser. Die Diskussion habe angesichts von vielen echten und vermeintlichen Fleischskandalen erheblich an Intensität und Brisanz zugenommen. Diese Entwicklung berge jedoch für Baden-Württemberg keine Bedrohung, sondern vielmehr eine Chance. Man müsse nur viel offensiver auf die dort relativ kleinbetriebliche Veredelungsproduktion aufmerksam machen und mit einem gezielten regionalen Marketing diesen gesellschaftlichen Megatrend aufgreifen. „Mit unserem eigenständigen gentechnikfreien Futtermittelkurs sind wir als ZG Raiffeisen Trendsetter und damit auch positiver Imageträger für regionale Lebensmittel.“

Lass Dir nicht alles von Dir selbst gefallen

Die Mitgliederversammlung genehmigte neben dem Jahresabschluss eine Anpassung des Vergütungsrahmens von Aufsichtsrat und genossenschaftlichem Beirat und lernte ein neues Aufsichtsratsmitglied kennen. Dr. Wilfried Wägner vom Geschäftsbereich Pflanzliche Produktion folgt als Arbeitnehmervertreter auf Harald Hörner, der sich nach vielen Jahren im Aufsichtsrat neuen Aufgaben bei der ZG Raiffeisen Technik GmbH widmet.

Viel Beifall erntete anschließend Gastredner Werner „Tiki“ Küstenmacher für seine humorvolle zeichnerische Darstellung der Bedürfnisse des limbischen Systems. Viele Menschen versuchten unbewusst, diese einfach zu ignorieren und stünden sich damit selbst im Wege. Unter dem Titel „Vereinfache Dein Leben“ erinnerte der bekannte evangelische Theologe und Buchautor daran, dass jede menschliche Handlung eine emotionale Grundlage habe. Viele Menschen seien noch unter dem Motto „Reiß Dich zusammen“ und erzogen worden, das jedoch häufig in Depression und Burnout ende, weil man dazu genötigt werde, eigene emotionale Grundbedürfnisse zu ignorieren. „Man muss sich von sich selbst nicht alles gefallen lassen“, brachte Küstenmacher es auf den Punkt, und riet, ab und an auch einmal auf den sprichwörtlcihen inneren Schweinehund zu hören.

Nach dem anschließenden Essen gab es beim Rahmenprogramm mit stadtgeschichtlichen Führungen durch das historische Offenburg reichlich Gelegenheit, dem revolutionären Erbe der Stadt näherzukommen.

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Impressionen von der Generalversammlung 2014
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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