Ackerbaumessen 2018: Magere Ernte, aber gute Aussichten für 2019

16.11.2018
Von: Jens Kreutzfeldt

Mit jeweils rund 200 Fachbesuchern verzeichneten die ersten beiden Ackerbaumessen 2018 in Appenweier und Freiburg-Tiengen im Oktober und November 2018 einen neuen Besucherrekord. In einem der trockensten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen treibt die Landwirte vor allem eine Frage um: Wie soll ich auf die zunehmenden Wetterextreme reagieren?


Auch nach der Ernte sind die Folgen der Trockenheit spürbar: Ackerbaumesse in Freiburg-Tiengen (Foto: ZG Raiffeisen)

Auch nach der Ernte sind die Folgen der Trockenheit spürbar: Ackerbaumesse in Freiburg-Tiengen (Foto: ZG Raiffeisen)

"Wenigstens die Qualitäten der Ernte sind meistens gut aufgrund der außergewöhnlich hohen Wärmesummen in diesem Jahr", bilanzierte Dr. Hubert Sprich, Produktionsmanager der ZG Raiffeisen. "Die Erträge sind regional allerdings extrem unterschiedlich, von sehr gut bis miserabel ist alles dabei. Aber die Erntemengen sind fast überall unterdurchschnittlich."

Das Wetter kann der Mensch nicht ändern, aber das bedeute nicht, dass die Landwirte nicht vorbereitet sein können. Reagieren heiße vor allem Vorsorgen, etwa durch Anbau-Diversifizierung und durch den Einsatz trockentoleranter Sorten. 

Den vollständigen Bericht von den Ackerbaumessen in Appenweier und Freiburg-Tiengen lesen Sie hier


"Wir raten dazu, das Risiko möglichst breit zu streuen und mehrere Kulturen anzubauen, und von jeder Kultur wiederum auch verschiedene Sorten", meinte Dr. Sprich. Dabei lohne es sich, auch weniger verbreitete Alternativen ins Auge zu fassen wie etwa Soja oder Braugerste. Besonders bei letzterer ist die Anbaufläche seit Jahren rückläufig, dementsprechend steigen Nachfrage und Erzeugerpreise.

Überraschenderweise erscheinen gerade angesichts all dieser widrigen Verhältnisse die Aussichten für Landwirte im Jahr 2019 derzeit gar nicht so schlecht, so das Fazit von ZG Raiffeisen-Vermarktungschef Franz Utz. Angesichts geringer Mengen sei für 2019 eine hohe Nachfrage zu erwarten. Daher seien die Erzeugerpreise derzeit besonders attraktiv und sollten für Kontraktabschlüsse genutzt werden.

Auch die Dünger-Produktion ist vom Niedrigwasser betroffen

Der Wassermangel macht sich in diesem Jahr jedoch nicht nur beim Anbau und auf den Getreidemärkten bemerkbar. Das anhaltende Niedrigwasser auf den großen Binnenwasserstraßen wie dem Rhein hat nicht nur die Frachtkosten extrem in die Höhe getrieben, sondern bremst inzwischen auch die Produktion von Betriebsmitteln. So können die Betriebsstätten von einigen namhaften Düngemittel-Herstellern wegen mangelnder Schiffbarkeit derzeit nicht ausreichend mit Rohstoffen beliefert werden.

"Momentan ist schwer einzuschätzen, wieviel Ware im kommenden Frühjahr wirklich verfügbar sein wird", sagte Götz Lechler, Fachbereichsleiter Düngemittel bei der ZG Raiffeisen. Sein Rat lautete daher: Lieber nicht zu lange warten mit der Bestellung.

Resonanz

Gut kam bei beiden Veranstaltungen erneut die Kombination von Fachvorträgen von internen und externen Referenten an, mit Vertretern von Ämtern und Behörden, die aktuelle Probleme aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten.

Neben dem Klima und bürokratischen Hürden aller Art beschäftigt die Landwirte derzeit vor allem, dass weiterhin viele Zulassungen von bewährten Pflanzenschutzmitteln ersatzlos auslaufen, was Schädlingsbekämpfung und Unkrautkontrolle immer mehr erschwere. Sorgen bereitet auch das zunehmend negative Bild der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit.

Am 5. Dezember schließt die Veranstaltungsreihe mit der dritten Ackerbaumesse in Forst bei Bruchsal.

 

 

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