16.08.2019
Jens Kreutzfeldt

Über 30 Prozent Ertragsdifferenz: Digitaler Demo-Betrieb Maxau geht in die zweite Erntesaison

Digital gesät und geerntet: Getreideernte in Maxau im Juli 2019 (Foto: Jochen Schneider für ZG Raiffeisen)

Nach der großen Trockenheit von 2018 wurden die Ernteergebnisse im zweiten Jahr des digitalen Demo-Betriebs der ZG Raiffeisen in Maxau bei Karlsruhe mit besonderer Spannung erwartet. Mit teilweise erheblichen Ertragsunterschieden innerhalb einzelner Schläge zeichnet sich immer deutlicher ab: In einer teilflächenspezifischen Bewirtschaftung kann auch bei den eher kleinteiligen Strukturen im Südwesten die Zukunft liegen.

Auf dem Hofgut Maxau testet die ZG Raiffeisen Landwirtschaft 4.0 GmbH, eine 100-prozentige Tochter der ZG Raiffeisen-Gruppe, seit 2017 gemeinsam mit dem Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg (LTZ) digitale Zukunftstechnologien für die Landwirtschaft.
Im Fokus stehen vor allem sensor- und geodatenbasierte Verfahren für eine teilflächenspezifische Bewirtschaftung und deren Praxistauglichkeit für den Anwender.

Von diesen Verfahren erhoffen sich Experten neue und bessere Lösungen, wie Saatgut, Nährstoffe oder Pflanzenschutz mithilfe digitaler Technik möglichst exakt und sparsam dosiert werden können. Die Entwicklung  vom Gießkannen-Prinzip geht hin zu einer möglichst individuellen, am Potenzial und Bedarf des Bodens orientierten Bewirtschaftung. Gerade im Südwesten sind die Böden sehr heterogen, hier können die Anforderungen auch innerhalb kleinerer Anbauflächen stark variieren.

Deutliche Unterschiede in der Teilfläche

Im Juli 2019 hat das Versuchsteam nun die zweite Getreideernte in Maxau erfolgreich eingebracht. Landwirtschaft 4.0-Geschäftsführer Jochen Schneider kann sich über gute und vor allem aussagekräftige Ergebnisse freuen. „Auch im zweiten Jahr unseres Projektes sehen wir ganz deutlich, dass die teilflächenspezifische Bewirtschaftung etwas bringt“, sagt Schneider. „Wir haben teilweise Ertragsdifferenzen von über 30 Prozent innerhalb einzelner Schläge. Wir können den Mitgliedern unserer Genossenschaft also zeigen, dass eine teilflächenspezifische Bewirtschaftung ökonomisch und ökologisch machbar ist und sich unter Umständen für sie lohnen kann.“

Zwischen dem 30. Juni und 30. Juli 2019 erntete das Versuchsteam  Winterweizen und Sommergerste auf Versuchsflächen in Knielingen bei Karlsruhe. Getestet wurden dort teilflächenspezifische Verfahren für Aussaat, Stickstoffdüngung und den Einsatz von Wachstumsreglern, sowohl mit Homogenisierungs- als auch mit Differenzierungs-Ansatz. Die Daten für Zonierung und Kartierung lieferten ein Sentinel-2-Satellit, eine Drohne sowie optische Sensoren vom Typ Isaria und Yara mit und ohne Map-Overlay. Die Versuchserträge liegen im Schnitt bei 78 dt/ha, mit Spitzenerträgen von bis zu 100 dt/ha in der Teilfläche.

Trockene Daten?

„Letztes Jahr waren wir noch eher vorsichtig mit der Auswertung“, meint Schneider. Zum einen, weil es die ersten Ergebnisse in diesem Projekt überhaupt waren, und zum anderen wegen der extremen Trockenheit 2018. „Wir haben uns daher entschlossen, erst einmal weiter Daten zu sammeln, damit die Auswertung nicht zu sehr durch Wetterextreme verzerrt werden kann. Jetzt wird immer deutlicher, dass wir das Thema teilflächenspezifische Bewirtschaftung weiter forcieren müssen, auch bei unseren eher kleinstrukturierten Flächen im Südwesten.“

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